Das Fremde hassen oder: Ausgrenzung

Nach dem gefühlten 100. Aufruf gegen „Rechts“ in der Piratenpartei möchte ich auf folgenden Abschnitt in der Satzung der Piratenpartei hinweisen:

(1) Die Piratenpartei Deutschland (PIRATEN) ist eine Partei im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und des Parteiengesetzes. Sie vereinigt Piraten ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit, des Standes, der Herkunft, der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und des Bekenntnisses, die beim Aufbau und Ausbau eines demokratischen Rechtsstaates und einer modernen freiheitlichen Gesellschaftsordnung geprägt vom Geiste sozialer Gerechtigkeit mitwirken wollen.

Es ist wunderbar, dass in der Piratenpartei nun zahlreiche offene Briefe, Brandreden, Rundschreiben, Blogeinträge usw. usf. gegen „Rechts“ aufgesetzt werden, von denen die Autoren glauben, dass jeweils IHRE Version noch eindeutiger und aussagekräftiger gegen Nazis sein würde, aber unsere Satzung drückt genau dies bereits aus und zwar in einer Version, die wir uns als Piraten als Kollektiv (!) selbst gegeben haben und somit bei Eintritt in die Partei quasi unterschreiben, ohne auf die unsäglichen Hilfskonstrukte wie „Radikalität“ zu verweisen.

Aber es geht mir hier nicht um das, was man unterschreibt. Ich möchte vielmehr darum bitten, nicht dem Irrglauben zu verfallen, man könne der rechten Brut mit irgendwelchen Texten beikommen, die von möglichst vielen Personen unterzeichnet werden. Das ist nicht mehr als ein Ablasshandel, um sich selbst ein reines Gewissen zu verschaffen, im Sinne von „ich habe ja was getan und ich stehe auf der richtigen Seite“. Wenn Unterschriften etwas bewirken würden, dann hätte ich schon an so manchen Amnesty International-Stand den Welthunger und Diktatoren besiegt und dank Greenpeace-Listen und meiner Unterschrift dürfte es kaum noch bedrohte Tierarten geben.

Solche Aktionen sorgen aber nicht dafür, dass auch nur ein Nazi weniger Mitglied dieser Partei wird oder dass Fremdenhass und Ausgrenzung in dieser Gesellschaft weniger werden, sondern sie sind lediglich eine Form von Hilflosigkeit, ja von Ohnmacht gegenüber der eigenen Unfähigkeit, die Piraten frei von solchen Äußerungen zu halten und dafür von den Medien, die jeden Angriffspunkt auf die Piraten ausnutzen, diffamiert zu werden.

Es geht nicht um unsere persönliche Empörung oder um meine und deine Reputation, sondern im wesentlichen um die Frage, ob wir als Gesellschaft in der Lage sind, unsere Werte und Regeln nicht nur als Strafmaß für Aussenseiter zu gebrauchen, sondern ob wir diese Menschen wieder eingliedern können. Wenn man von der Gesellschaft ausgegrenzte Menschen, die von uns als „radikal“ bezeichnet werden und deren Radikalität ja Ausdruck ihrer Ausgrenzung ist, ausgrenzt, was genau wird sich dann ändern? Nichts! Und aus dieser Entwicklung entstehen Wut und Ohnmacht, weil man dieser Situation mit den gewohnten Mitteln der Ausgrenzung auf Dauer nicht beikommen kann. Aus den Augen, aus dem Sinn ist vielleicht Ausdruck „etablierter“ Law&Order-Politik, aber ich denke nicht, dass sie Ausdruck unserer Partei sein sollte.

Die Ironie lautet also: gegen Fremdenhass und fehlende Empathie setzt man das Mittel der gesellschaftlichen Ausgrenzung. Das ist es, was mich an den ganzen Aktionen stört, ob es nun Aktionen wie „B, geh raus aus der Partei“ oder der 100000. Blogeintrag gegen Rechts ist. Und mich frustriert am meisten, dass es diese Selbstreflexion der eigenen Handlungen in der Partei überhaupt nicht zu geben scheint, sondern die Hauptbeschäftigung dreht sich um die Frage, wie man B  los wird. Wäre es nicht so traurig, es wäre bestimmt zum Lachen.

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Die Kapelle spielt bis zum Schluss – Vom Untergang der CDU

Auf der Rückfahrt vom Infostand in Rheinbach hörte ich auf Deutschlandradio Kultur die Sendung „Tacheles“, in der Michael Kretschmer von der CDU auf Martin Delius, parlamentarischer Geschäftsführer der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus traf. Dabei stellte Kretschmer einen „Vorzug“ der CDU vor, der mir sehr zu denken gab: die Verlässlichkeit für den Wähler aufgrund der Werte, die der Piratenpartei ja fehlen würde.

Wäre ich an einer Polemik interessiert, könnte ich nun rhetorisch fragen, welche Werte die CDU in den Jahrzehnten ihrer Existenz denn nicht schon verraten hätte, angefangen vom „C“ in ihrem Namen über den „ehrenhaften Ehrenvorsitzenden“ Helmut Kohl bis hin zu Frau Merkel, deren Wertekanon im Falle der Atomkraft ein erstaunlich breites Spektrum offenbarte. Nein, ich erlaube mir den Spaß und nehme Herrn Kretschmers Theorie ernst. Gehen wir einmal von der Prämisse aus, dass die CDU dem Bürger eine Verlässlichkeit bietet, die auf festen Werten beruht.

Wenn wir unsere Umwelt betrachten, können wir eines feststellen: nichts ist unveränderlich. Die Welt befindet sich in einem permanenten Wandel, Panta rhei, wie nicht nur die Rheinländer wissen, sondern auch schon Heraklit zu deuten wusste: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluß steigen“. In einer sich permanent ändernden Umwelt kann nur derjenige überleben, der sich permanent den Bedingungen anpasst. Ein Prinzip, das uns aus  Evolution und Soziologie vertraut vorkommt.

Kretschmer postuliert nun, dass die CDU in dieser Welt eine verlässliche Konstante bildet. Das bedeutet: die CDU ist strukturell so aufgebaut, dass die verlässliche Ergebnisse liefert, also Ergebnisse, die unabhängig von der verstrichenen Zeit gleich bleiben. Etwas anderes kann die CDU auch nicht liefern, denn die Struktur, die in den 50er und 60er Jahren aufgebaut wurde, bezog sich auf die damaligen Verhältnisse ua. in Deutschland und der Welt, dh. sie kam mit den damaligen Verhältnissen vermutlich hervorragend zu recht, wie die damaligen Wahlergebnisse mit Adenauer belegen.

Wenn sich nun aber die Einflüsse der Aussenwelt verändern und somit eine geänderte Ausgangssituation vorliegt, bedeutet dies nicht, dass eine CDU, die die gleichen Handlungen wie damals vollzieht, für sich und ihre Umwelt positive Ergebnisse erzielen kann. Damit will ich nicht sagen, dass es der CDU nicht möglich wäre, ihr Wahlprogramm beliebig auszutauschen; in der Beliebigkeit hat Frau Merkel die Messlatte gewiss sehr hoch für eventuelle Nachfolger gelegt, was innerparteilich ja nicht ohne Kritik geblieben ist. Nein, es geht viel mehr um die Kommunikationsstrukturen innerhalb der Partei, in der immer noch die gleichen Informationskanäle und Hierarchien „herrschen“, wie in der Ur-CDU, trotz aller gesellschaftlichen Entwicklungen ausserhalb ihrer Strukturen.

Vor diesem Hintergrund ist die Verlässlichkeit, von der Kretschmer spricht, zugleich ein Zeichen für die Unfähigkeit der CDU, ihre Strukturen so zu reformieren, dass sie auf geänderte Einflüsse reagieren kann. Die CDU wird zwar noch von denen gewählt, die sich bereits seit mehr als 40 Jahren zu der CDU bekennen, aber deren Lebenswelt entspricht nicht mehr derjenigen der nachfolgenden Generationen. Eine eigenständige (!) Jugendorganisation gibt es im Falle der CDU nicht, sondern in der Jungen Union kommen lediglich diejenigen nach oben, die sich den traditionellen Strukturen der CDU am besten anpassen. Eine Veränderung, eine Ablösung durch die nachkommende Generation kann so nicht stattfinden.

Jetzt könnte man Kretschmer natürlich auch so deuten, dass es ja die Werte sind, die die CDU ausmachen und dass die Werte Lösungen für die Probleme bilden, die eine geänderte Umwelt mit sich bringen, quasi als Handlungs-Rahmen. Doch wie entstehen Normen und Werte eigentlich? Ich unterscheide hier  zwei verschiedene Entstehungsmöglichkeiten:

1) Werte und Normen entwickeln sich durch soziale Interaktionen in einer Gesellschaft und werden nach und nach schriftlich fixiert
2) Werte und Normen werden von „oben“ herab diktiert und einer Gesellschaft aufgezwungen

Wenn ich nun von einer sich ständig ändernden Umwelt – in diesem Falle einer Gesellschaft – ausgehe, dann ändern sich auch unsere Werte ständig, es findet ein sogenannter „Wertewandel“ statt. Eine Organisation wie die CDU, die sich Werte vorgibt, muss diese Werte also ständig überprüfen, wenn sie sicher gehen will, dass ihre Wertvorstellungen denen der Gesellschaft noch entsprechen. Hierfür ist es aber unerlässlich, dass es eine Art Rückkanal gibt, dh. die Informationen, die die CDU über die Gesellschaft und die an ihr teilnehmenden Menschen erhält, müssen die für Anpassungen notwendigen Schaltzentralen erreichen, damit es zu einer Strukturumänderung kommen kann. Dies ist aber – strukturell – in der CDU nicht vorgesehen, ja sogar unerwünscht, denn Karriere in der CDU macht nicht derjenige, der störende Einflüsse von Aussen hereinträgt, sondern derjenige, der die Rituale und Kommunikationswege – sprich die Ordnung – innerhalb der CDU nicht stört.

Die Werte, die in der CDU angeblich vorherrschen, können also lediglich von den Spitzenpositionen vorgegeben werden, siehe Punkt 2 der Möglichkeiten. Dies bedeutet wiederum, dass Veränderungen nur entstehen können, wenn diese von Personen kommen, die zuvor den gesamten Apparat der CDU durchlaufen haben, ohne sich Abweichungen zu schulden kommen zu lassen. Sollte es trotzdem zu Änderungen der Werte kommen, müssten diese gegen den Widerstand der Struktur durchgesetzt werden, würden also für eine Instabilität sorgen, die – wenn man Kretschmer so deuten darf – nicht gewünscht ist, weder von der CDU noch vom Wähler.

Es ist tragisch, dass Kretschmer dabei nicht einmal in der Lage ist, seinen eigenen Werdegang zu hinterfragen, denn all diese Ideen könnten ihm selbst kommen, wenn ihm bewusst wäre, dass es seinen erlernten Beruf des Büroinformationselektronikers selbst erst wenige Jahrzehnte gibt. Es wird also eine Wirklichkeit ausgeblendet, in der es rasante Entwicklungen gibt, um zugleich eine „Verlässlichkeit“ zu beschwören, die keinerlei Zukunft haben kann. Oder, bedeutend negativer ausgedrückt: das Kapital der CDU ist die Angst der Menschen vor Veränderungen, womit die CDU „konservativ“ nicht im Sinne von „Lebensqualität bewahrend“ sondern im Sinne von „alte Denkschemata auf neue Situationen anwenden“ definiert. Dass sich nun CDUler damit lautstark in Radiosendungen brüsten, zeigt eigentlich, dass es selbst in den Spitzenpositionen der CDU kein Bewusstsein für die eigene Situation gibt (vielleicht noch Herrn Geißler ausgenommen). Die CDU fährt fröhlich in den Untergang und macht keine Anstalten, dem Eisberg ausweichen zu wollen. Letztendlich macht man ja gute Fahrt und die Stimmung an Deck ist hervorragend!

Nach der Sendung „Tacheles“ lief die Sendung „Kakadu“, in der sich das Deutschlandradio kindergerecht bestimmten Themen widmet. Das Thema der Folge lautet „Eisberg voraus! Vor 100 Jahren versank die Titanic“. Zufall? Ich glaube nicht.

 

 

 

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Piraten – Eine Konzeption

Vorwort

Über viele Jahre hinweg habe ich Informationen über mich, meine Mitmenschen und die Welt, die uns umgibt zusammengetragen. Inspirierend war dabei für mich vor allem das Buch „Gödel, Escher, Bach“ von Douglas R. Hofstadter, der in beeindruckender Weise Kunst, Musik und Mathematik verknüpfte. Ob ich, ähnlich wie Achilles, jemals mein Ziel erreichen werde, eine holistische Erklärung für die Welt zu finden, wage ich zu bezweifeln. Doch ich denke, ich kann dazu beitragen, unsere Welt vielleicht ein wenig besser zu verstehen und vielleicht ein wenig ein Bewusstsein dafür entwickeln, was die Piratenpartei im Innersten eigentlich ausmacht und wo ich Zusammenhänge in dieser angeblich „programmlosen“ Partei sehe.

Autonomie

„Man kann nicht Charakter und Mut schmieden, indem man Initiative und Unabhängigkeit lähmt.“ Abraham Lincoln

Einer der Kernpunkte meiner Betrachtungen ist das Konzept der „Autonomie“, im Sinne einer Selbständigkeit im Handeln, die wiederum auf der Möglichkeit der freien Entfaltung beruht. Diese Autonomie ist in der Bundesrepublik Deutschland in Artikel 2 des Grundgesetzes als Recht verankert: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“, eine Regelung die ua. auf den Kategorischen Imperativ von Kant zurückzuführen ist: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Der Mensch strebt bereits von Geburt an nach Autonomie, indem er nach und nach die Muster in seiner Umgebung erkennt und beginnt, sich als Person herauszubilden, von der Umwelt abzugrenzen. Das Lernen – nicht nur der Selbständigkeit – erfolgt dabei über die Sinne und das positive bzw. negative Feedback auf eigene Handlungen.

Sozialisierung

„Wie im Samen der ganze Baum veranlagt ist, so ist im Menschen der Staat veranlagt.“ Aristoteles

Es mutet paradox an, dass der Erkenntnisprozess, der zur Bildung einer eigenen Persönlichkeit führt, gerade dadurch entsteht, dass die Umwelt, beim Menschen zu Beginn vor allem Verhaltensweisen der Eltern, nachgeahmt werden. Verantwortlich für die Nachahmung sind ua. die Spiegelneuronen, deren Aufgabe darin besteht, Verhaltensweisen in unserer Umwelt nachzuahmen und die somit für die soziale Interaktion sowie für die Empfindung von Empathie (Mit-Gefühl) unerlässlich sind. Der Mensch braucht soziale Kontakte zu Mitmenschen, um „menschlich“ zu werden (Zoon politikon), strebt aber zugleich nach einer Autonomie, um unabhängig zu sein. Ich denke, dass sich zwischen diesen beiden Polen ein Großteil der „menschlichen Komödie“ abspielt, die bereits unzählige Künstler zu ihren Werk inspiriert hat.

Zwischen Autonomie und Gesellschaft

„Beschreibung des Menschen: Abhängigkeit, Wunsch nach Unabhängigkeit, Bedürfnisse.“ Blaise Pascal

Wie lassen sich nun Autonomie und soziales Zusammenleben vereinbaren?  Ich denke, dass der Schlüssel für die Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs in der größtmöglichen Handlungsfreiheit durch Rekombination erlernter Verhaltensweisen in einer möglichst nicht restriktiven Umgebung beruht, die Platz für Experimente, aber auch Platz für soziale Interaktionen gewährt. Die soziale Interaktion sorgt für eine Bindung untereinander, die auf gegenseitigem Respekt und Anerkennung der jeweils anderen Personen beruht. Die so gebildete soziale Gruppe ermöglicht es ihren Mitgliedern, durch Kombination des individuellen Wissens und Kenntnisse Leistungen zu erbringen, die über die Möglichkeiten des Einzelnen hinausgehen. Hierfür ist eine größtmögliche Varietät in der Zusammensetzung der Gruppe entscheidend. Es bildet sich durch die Belohnung für gemeinsame Handlungen sozusagen als Feedback eine Solidarität heraus, die auf der Autonomie von Einzelpersonen beruht, die sich gegenseitig in ihrer Verschiedenartigkeit als nützlich für die Gesellschaft sehen. Dies ist ein wichtiger Ansatz gegen Xenophobie, die zu einem Teil auch in Abgrenzungsschwierigkeiten von nicht-autonomen Individuen gegenüber ihrer Umwelt beruht.

Kollektiv

Denn die Menge, von der der einzelne kein tüchtiger Mann ist, scheint doch in ihrer Gesamtheit besser sein zu können als jene Besten; nicht jeder Einzelne für sich, sondern die Gesamtheit, so wie die Speisungen, zu denen viele beigetragen haben, besser sein können als jene, die ein Einzelner veranstaltet.“ Aristoteles

Eine Gruppe von autonomen Lebewesen, die sich zu einer gemeinsamen Aufgabe zusammenfinden, wird in der Summe immer nur eine Entscheidung treffen können, die in etwa dem Durchschnitt ihrer Kenntnisse entspricht. Daher ist für das Individuum ein möglichst hoher Bildungsstandard zu garantieren, der sich wiederum in qualitativ besseren kollektiven Entscheidungen niederschlägt. Die kollektive Willensbildung, beispielsweise durch direkte Demokratie, ist dabei nicht auf die Geschwindigkeit der Entscheidung ausgelegt, sondern qualitativ, also auf die Lebensqualität bzw. Überlebensfähigkeit der Gruppe in ihrer Umwelt.

Eine hervorragende Möglichkeit der Vernetzung zur Herausbildung einer Kollektiven Intelligenz bietet hierbei das Internet. Der Begriff „Schwarmintelligenz“ trifft hier meiner Ansicht nach nicht ganz zu, denn der Begriff ist sowohl biologisch als auch in der Erforschung der Künstlichen Intelligenz anders definiert als eine reine Aggregation menschlicher Intelligenz. Auch das Beispiel von Wikipedia als Ergebnis einer solchen Zusammenarbeit scheint mir nicht korrekt zu sein, da es sich mMn – vor allem bei der deutschen Version – bei Wikipedia eher um ein Expertensystem handelt.

Das Zusammenführen verteilten Wissens ermöglicht eine Rekombination, aus der neue Erkenntnisse und Lösungsansätze hervorgehen können. Wichtigster Punkt bei der Zusammenführung ist dabei die freie Verfügbarkeit der Daten, die zu neuem Wissen kombiniert werden sollen. Mit fortschreitender Entwicklung neigen Systeme dazu, an Komplexität zu gewinnen. Man erkennt dies sehr gut an der wissenschaftlichen Forschung, die Jahr für Jahr zunehmende Daten sammelt, die Grundlagen für weitere Forschungsarbeiten und Entwicklungen bieten. Die Komplexität der Forschung erhöht sich dadurch zwangsläufig, da zunehmend selbst unwichtig erscheinende Umgebungsvariablen beachtet werden müssen, die zB. durch Rückkoppplungseffekte enormen Einfluss auf das Ergebnis haben können. Nach Ashby’s Law gilt: „Je größer die Varietät eines Systems ist, desto mehr kann es die Varietät seiner Umwelt durch Steuerung vermindern.“ Als Beispiel für die zunehmende Komplexität sei hier die Erforschung neuer Medikamente erwähnt, die nicht zuletzt aufgrund der bisher betriebenen Untersuchungen über die Zusammenhänge im Menschen, die selbst wiederum komplexe System darstellen –  zunehmend aufwendiger wird und durch Patente behindert wird.

Piraten

„Die Piraten sind die Lobbypartei toxischer Kräfte“ Frank A. Meyer

Zuletzt möchte ich die – hier nur kurz angerissenen – Punkte in Korrelation zu den Zielen der Piratenpartei setzen.

Freier Zugang zur Bildung – Der freie Zugang dient dazu, den Menschen zu einer größtmöglichen Autonomie zu verhelfen, die wiederum – wie beschrieben – positive Effekte auf die Gesellschaft hat.

Bedingungsloses Grundeinkommen – Das BGE bietet eine sichere Existenz und ist Grundvoraussetzung für die Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe ohne Angst vor Repressionen. Das BGE wahrt die Unabhängigkeit der einzelnen Person.

Basisdemokratie – Sie ist Grundvoraussetzung, um  allen Menschen die Mitgestaltungsmöglichkeit ihrer Umwelt zu bieten.

Digitale Gesellschaft – Die Vernetzung ist eine Grundvoraussetzung für die Kollektive Intelligenz.

Freie Software – Bietet allen Menschen die Möglichkeit, von der digitalen Gesellschaft zu partizipieren

Geschlechterpolitik – Stellt die persönliche Entfaltungsmöglichkeit unbesehen des Geschlechts in den Vordergrund

Abschaffung von Hartz IV – Wiederherstellung der Selbstbestimmung des Individuums, das nicht als ausgegrenzter Bittsteller in einer Gesellschaft existieren darf. Siehe auch Ausführungen zu Solidarität und Empathie.

Informationelle Selbstbestimmung – Kontrolle über die eigenen Daten ist ein wichtiger Bestandteil der Autonomie

Integration – Sowohl für die Varietät der Kollektiven Intelligenz als auch für die Solidarität ein wichtiger Bestandteil

Ablehnung von Monopolen – Monopole verhindern eine freie Entwicklung durch Beschränkung der Vielfalt und Schaffung von Monokulturen, die durch die mangelnde Flexibilität anfällig für Ausseneinflüsse sind.

Patentwesen – Behindert den freien Austausch von Wissen zur Bewältigung komplexer Aufgaben und wird somit zu einem Hemmnis in der Forschungsarbeit.

Ablehnung von Rassismus – Rassismus verhindert die Bildung einer Kollektiven Intelligenz, indem sie Individuen aufgrund willkürlicher Merkmale aus der Gruppe ausschließt und damit auf wertvolles Wissen verzichtet.

Transparenz – Zum Treffen bestmöglicher Entscheidungen ist es unerlässlich, dass zu relevanten Informationen freier Zugang besteht.

Trennung von Staat und Religion – Der Staat muss als kollektive Einrichtung unabhängig von Religionen sein und zugleich den ihm zugehörigen Bürgern ein größtmögliche Freiheit in der Religionsausübung gewähren, so lange sie nicht die Religionsfreiheit Dritter gefährdet.

Umweltpolitik – Nachhaltigkeit ist die Sorge für die Lebensfähigkeit der Gesellschaft, quasi eine Art Aufgabe von persönlicher Freiheit/Autonomie durch Verzicht, um zukünftigen Generationen Autonomie und Freiheit zu sichern.

Die Zukunft?

„Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“ Perikles

Die Piratenpartei hat einen rasanten Aufstieg erfahren, weil sie, wie ich hier darzulegen versucht habe, einige Kernpunkte der menschlichen Existenz aufgegriffen hat und mit Hilfe der Rekombination neuer Lösungswege und -möglichkeiten das Fundament für eine Partizipation aller Menschen an politischen Entscheidungen gelegt hat. Ich denke, dass das Modell „Piratenpartei“ noch eine große Zukunft vor sich haben wird, wenn es gelingt, die etablierten Strukturen in unserer Gesellschaft aufzubrechen und durch neue Formen der Partizipation und Selbstbestimmung zu ersetzen. Dabei ist es wichtig, dass die alten Hierarchien nicht lediglich durch neue ersetzt werden, sondern das Hauptaugenmerk muss auf kollektiven Entscheidungen beruhen, die sich innerhalb der Grundregeln menschlichen Zusammenlebens abspielen, wie ich sie oben erwähnt habe.  Der Piratenpartei gehört die Zukunft und die etablierten Parteien werden es sehr schwer haben, ihre Strukturen so umzustellen, dass sie eine passende Antwort auf die Piraten bieten können, ohne selbst ihre Identität zu verlieren. Dabei denke ich, dass das Chaos, das in den „Strukturen“ der Piraten steckt, zugleich die gefährlichste Waffe ist, denn es ermöglicht das schnelle Herausbilden von Reaktionen auf Umwelteinflüsse, die hierarchisch-monolithisch festgelegte Strukturen schnell auseinander brechen lassen können.

Nachwort

Zahlreiche Punkte habe ich nur sehr oberflächlich angerissen. Auf die Systemtheorie und Kybernetik zur Unterstützung der Kenntnisse über die Kollektive Intelligenz wäre ich gerne näher eingegangen, aber allein diese Forschungen würden jeglichen Zeitrahmen, der mir zur Verfügung steht, sprengen. Die neurobiologischen Untersuchungen zum Aufbau des Gehirns mit Auswirkungen auf unser soziales Leben und unser Lernen sind ebenfalls ein weites und sehr interessantes Themenfeld, das ich hier nur kurz anreissen konnte. Ich werde zukünftig zu dem einen oder anderen Thema gewiss ausführlicher schreiben und dabei auf die Querverbindungen der einzelnen Wissenschaften eingehen. Über kritisches Feedback vorab freue ich mich jedenfalls.

 

 

 

 

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